Deutsche CO2-Emissionen gefährden Klimaschutzziele

Eigentlich möchte Deutschland gerne ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz sein und mit gutem Beispiel für andere Länder vorangehen.

Die Realität sieht jedoch etwas anders aus. Auch wenn bereits viele Anstrengungen unternommen wurden, ist das Ziel einer Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 noch immer in weiter Ferne.

Wie Erhebungen des Thinktanks Agora Energiewende ergaben, war zuletzt sogar wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen.

Verantwortlich war dafür vor allem ein erhöhter Verbrauch von Benzin, Diesel und Kerosin. Die Lücke zu den selbst gesteckten Zielen bleibt mit rund 150 Millionen Tonnen jährlich weiterhin hoch.

 

Deutschlands Vorreiterrolle ist in Gefahr

Für Deutschland ist der Klimaschutz bereits seit Mitte der 90er Jahre ein wichtiges Thema. Neben den nationalen Maßnahmen wird die Notwendigkeit von CO2-Einsparungen auch anderen Ländern gegenüber immer wieder forciert.

Deutschland möchte hier Vorreiter sein und erhält durch die Energiewende und seine ehrgeizigen Ziele weltweit große Aufmerksamkeit.

Bis zum Jahr 2016 konnte bereits ein Minus von 28 Prozent gegenüber 1990 erreicht werden. Das ist sicherlich ein guter Fortschritt. Ob die verbleibenden 12 Prozent innerhalb von 3,5 Jahren noch erreicht werden, darf jedoch zumindest bezweifelt werden.

Während der Ausstoß von Treibhausgasen von der Industrie bis hin zu Privathaushalten in praktisch allen Bereichen zurückgegangen ist, ist er im Verkehr sogar gestiegen.

Verantwortlich sind dafür ein insgesamt höheres Verkehrsaufkommen sowie ein nach wie vor zu hoher Verbrauch der Fahrzeuge.

 

Aktuelle Berechnungen

Die Regierung geht aktuell von einer Reduzierung auf 35 Prozent aus. Damit liegen ihre eigenen Prognosen bereits rund 5 Prozent unter dem eigentlichen Ziel.

Laut den Berechnungen von Agora Energiewende ist jedoch selbst das zu optimistisch. Deutlich realistischer sei es, bis 2020 auf ein Minus von 30 bis 31 Prozent zu kommen.

Somit würde das Ziel also weit verfehlt und rund 50 Millionen Tonnen CO2 mehr als aktuell gedacht verursacht werden.

 

Warum liegen die Berechnungen so weit auseinander?

Dass die Berechnungen der Regierung und die von Agora Energiewende so weit auseinander liegen, hat mehrere Gründe.

Zum einen hat die Regierung ihre Prognose anhand einer Bevölkerung von 80,6 Millionen Menschen im Jahr 2020 berechnet. Tatsächlich dürften es aufgrund verstärkter Zuwanderung jedoch 82,8 Millionen Menschen werden, wie auch das Statistische Bundesamt angibt.

Alleine schon aufgrund der größeren Bevölkerung wird das tatsächliche Wirtschaftswachstum höher als erwartet ausfallen.

Hinzu kommen gesunkene Rohstoffpreise, die sich in den kommenden Jahren auch nicht signifikant erhöhen dürften. Daher ist unter anderem mit einem Anstieg der Stromexporte, welcher vor allem durch Kohlekraftwerke getragen wird, zu rechnen. Ferner dürfte auch das Verkehrsaufkommen stärker zunehmen, als bislang angenommen.

 

Ist das Ziel noch zu schaffen?

Damit die Ziele hinsichtlich des Klimaschutzes zumindest noch annähernd erreicht werden können, bedarf es großer Anstrengungen. Die kommende Regierung müsste umgehend ein Sofortprogramm für den Klimaschutz auf die Beine stellen, welches kurzfristig Wirkung zeigt.